Ich bin nun schon mehrfach gefragt worden, wie ich meine Videos bearbeite und welche Tools ich dazu nutze bzw. welche Arbeitsschritte ich durchführe.

In diesem Beitrag will ich daher ein wenig beschreiben, wie ich meine Videos bearbeite und dabei im einzelnen vorgehe.

Gleich zu Anfang sei gesagt: Viele Wege führen nach Rom! Und das ist auch in der Videobearbeitung, insbesondere bei 360° Videos, nicht anders. Ihr müsst daher die Dinge nicht so tun, wie ich sie tue – (nur) durch ausprobieren und Neugier wird man schlau und entdeckt so vielleicht auch nebenbei noch ganz andere Möglichkeiten.

Beginnen wir zuerst mit der Übersicht des aktuell von mir genutzten Equipments (Hard- und Software) die ich für 360° Videos nutze:

  1. Kamera: Insta360 One X
  2. Selfie-Stick: Insta360 Invisible Selfie Stick
  3. Software: Insta360 One X App (iPad)
  4. Software: Insta 360 Studio 2020 (Desktop-App)
  5. Software: Final Cut Pro X (vorher: iMovie)

Wow, so viele Programme… tut das wirklich Not?

Die klare Antwort lautet: Nein! Warum ich diese trotzdem nutze – dazu kommen wir jetzt. Als Anmerkung am Rande – dieser Beitrag soll kein Tutorial werden – dafür findet ihr bei YouTube genug Futter. Ich möchte hier versuchen, die Unterschiede darzustellen und aufzuzeigen, warum es, je nach Szenario, nützlich sein KANN, die verschiedenen Optionen/Programme zu benutzen.

Aufnahme von 360° Videos

Wie oben bereits genannt, ich nutze die Insta360 One X (mittlerweile gibt es das Nachfolgemodell Insta360 One R) in Verbindung mit dem „Invisible Selfie Stick“.

Die Anwendung ist leicht, unkompliziert und im Grunde selbsterklärend. Man muss, wie bei allen 360° Kameras, nicht darauf achten, wohin genau man filmt – es wird alles rundum aufgenommen, einer der größten Vorteile dieser Kameras im Action- oder Sportbereich.

Anfangs ein wenig verwirrend kann es dann werden, wenn das Material fertig aufgenommen und bearbeitet werden soll.

Videobearbeitung mit der Insta360 One X App

Hier kommt dann sicher bei den meisten Besitzern der Insta360 One X erstmal die mitgelieferte App zum Einsatz. Diese läuft auf iPhone oder iPad, kann mit der Kamera per WLAN verbunden werden und erlaubt den Transfer der Filmdaten auf das jeweilige Gerät. Dann kann es auch schon losgehen.

Insta360 One X App (iPhone)

Wie nutze ich die Insta 360 One X App?

Ich überlege mir schon vorher, während die Kamera läuft, ob ich ggfs. Szenen mit der App bearbeiten muss.

Ein paar Dinge, wie z. B. „Smart Tracking“, d. h. das konstante Verfolgen eines Objekts/Person, sind mit dieser App tatsächlich am einfachsten möglich und in kürzester Zeit realisiert. Wenn ich also Aufnahmen habe, bei denen ich diese Option nutzen will, mache ich das, clipbezogen, nur kurz in der App, exportiere diesen und habe dann schon einen Teilclip fertig, den ich anschließend weiter in anderen (Schnitt)-Programmen (hier: Final Cut Pro) verwenden kann.

Wozu Insta 360 Studio?

Die Studio-App für den Rechner soll die App für Smart Devices bzw. deren Funktionsumfang für die Bearbeitung auf dem Desktop wiederspiegeln.

Insta360 Studio 2020

Das funktioniert aber leider nur teilweise. Eben genau das o. g. „Smart Tracking“ ist in der Desktop-App nicht möglich, alle anderen Funktionen sind zumindest verfügbar.

Wie nutze ich Insta 360 Studio?

Gesetzt den Fall, ich habe kein Material, das ich vorher noch in der App für Smart Devices bearbeiten möchte, übertrage ich die Dateien von der Speicherkarte direkt auf meinen Mac und bearbeite diese erstmal ausschließlich in der App.

Ich selbst lade keine 360°-Videos hoch, d. h. ich setze hier mit dem Workflow an, um aus dem 360°-Material sog. „Flat“-Material zu machen („Free Capture“) und die besten Perspektiven (z. B. Kamerafahrten/Drohnenansicht) zu finden/einzustellen, also für die ganz normale (spätere) 2D-Ansicht. Das kann dann, je nach Länge der Clips, schonmal eine ganze Weile dauern.

Einen Schnitt oder ähnliches mache ich in der App nicht (funktioniert leider auch nicht), ich mache hier tatsächlich nur die Feinausrichtung der Perspektive(n), lasse den Rest unbearbeitet und exportiere den gesamten Clip dann ebenfalls.

Finale: Final Cut Pro X

Hier gleich zu Anfang noch eine Anmerkung: Auch FCPX kann mit 360° Material umgehen – wenn es vorher in MP4 konvertiert wurde! Leider nimmt die One X in einem Insta360 eigenen Format auf – das kann ohne entsprechende Umwandlung/Export nicht von FCPX gelesen werden!

Für euch heißt das: Wollt ihr 360°-Material mit FCPX bearbeiten, braucht ihr zwangsläufig die Studio-App um einmal das Gesamtmaterial von dort als MP4-Video (360°) zu exportieren.

Mein Material liegt nach dem Export nun bereits im MP4-Format und im 2D-Format vor. Ich nutze FCPX daher jetzt für den finalen Schnitt, Musik, Übergänge etc.

Anschließend exportiere ich dann nur noch den fertigen Clip.

Fassen wir also kurz zusammen:

Insta 360 One X App

  • Funktion „Smart Tracking“ NUR in der App vorhanden
  • Tatsächliche Schnitte nicht möglich
  • Schnell und einfach in der Bearbeitung/Teilung zusammenhängender Clips

Insta 360 Studio

  • Kein „Smart-Tracking“
  • Umwandlung von 360° in 2D-Material zügig möglich
  • Exportmöglichkeit von 360°-Material in das MP4-Format für die weitere Bearbeitung in anderen Programmen, die den Umgang mit 360°-Material (ebenfalls) beherrschen
  • Erweiterte Exportmöglichkeiten des Filmmaterials (4K, Bitraten etc.) – für mich einer der wesentlichen Punkte
  • Tatsächliche Schnitte auch hier nicht möglich

Final Cut Pro lasse ich hier weg – dieses kann man als Platzhalter für jedes x-beliebige Schnitt-/Videoprogramm nehmen, von denen sicher alle ihre Vor-/Nachteile haben.

Wir sehen also – wenn man sich schon vor der Aufnahme nur ein paar wenige Gedanken macht, kann man das Thema ganz schnell eingrenzen und es ist lange nicht so kompliziert, wie man vielleicht geglaubt hat.

Zusammengefasst: Habt ihr Material, das ihr nicht großartig schneiden müsst oder wollt, seid ihr mit den Insta-eigenen Apps am schnellsten unterwegs.

Wollt ihr selbst mehr Einfluss auf eure Videos nehmen und diese auch richtig nachbearbeiten, führt kein Weg an zusätzlichen Programmen vorbei.

Ich werde mich als nächstes ein wenig mit der Bearbeitung von 360° Material bzw. der Umwandlung davon in 2D-Material in Final Cut Pro beschäftigen. Das würde mir den aktuellen Arbeitsschritt in der Studio-App ggfs. noch bis auf den einmaligen Export an dieser Stelle ersparen.

Ich hoffe, ich konnte in diesem kleinen Beitrag zumindest ein wenig die Vor-/Nachteile der einzelnen Apps darstellen.

Sofern Interesse daran besteht, das ich derlei Beiträge zukünftig öfter veröffentliche oder auch bestimmte Themenwünsche bestehen – meldet euch gern bei mir oder schreibt es in die Kommentare.


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